So hätte man Eigentümer warnen müssen, um sie vor einer überflüssigen Diskussion und einem unnützen Klageverfahren zu schützen.

Im vorliegenden konkreten Falle geht es um eine Wohnanlage mit ca. 1.100 qm Wohnfläche. Es lag ein Energieausweis der Firma Brunata vor, der aus dem tatsächlichen Gaseinkauf über drei Jahre einen Durchschnittsverbrauch von 121 kWh je qm Wohnfläche im Jahr auswies. Davon wurden 98 kWh für die Heizung und 23 kWh für die Erwärmung des Wassers benötigt. Somit war von vornherein klar, dass sich ein neues Wärmedämmverbundsystem an den Außenwände unter keinen Umständen „rechnen“ wird.

Nicht so jedoch für den Verwalter und die von ihm mit einem Gutachten beauftragte Energieberaterin (eine Diplom-Ingenieurin).

Der vom Verwalter ausgesuchte Anwalt, ein Fachanwalt für Bau- und Architektenrecht beantragt deshalb seine Klageabweisung mit den Worten:

„Die Beraterin (Anmerkung: die Energieberaterin) kommt zu dem Ergebnis:
„wirtschaftlich“.
Gemeint war damit die Anbringung eines Wärmedämmverbundsystens in 16 cm Stärke nur an der Ost- und Westseite der Wohnanlage (zum Verständnis: Eine Gruppe von sachlich rechnenden Eigentümern hat die Mehrheitsbeschlüsse dieser Wohngemeinschaft zur konkreten Ausführung dieser von der Energieberaterin empfohlenen Wärmedämmmaßnahme bei Gericht angefochten).
Aber wie lässt sich das Rätsel aufklären,
weshalb die Energieberaterin zu solch einer irrigen Annahme kommt?

Die Lösung dazu soll sich aus DIN V 18599 ergeben. Diese DIN widmet sich der Gebäudetechnik, genau gesagt, der energetischen Bewertung von Gebäuden, kurz Berechnung der Energiebilanz. DIN-Normen entstehen auf Anregung und durch die Initiative daran interessierter Kreise. Wer hier die interessierten Kreise gewesen sein könnten, könnte sich möglicherweise aus dem Folgenden ergeben.

Dank dieser DIN und einem dazu gehörenden Rechenprogramm verzichtet die Energieberaterin natürlich auf die echten Verbrauchswerte, denn dafür soll die DIN ja den Energieverbrauch zuverlässig für die interessierten Kreise ermitteln.

Welchen praxiserfahrenen Eigentümer kann es da noch wundern, dass die interessierten Kreise statt des von Brunata ermitteln tatsächlichen Durchschnittsverbrauchs von 159.328 kWh im Jahr (Heizung und warmes Wasser) sagenhafte 316.000 kWh errechnen - also doppelt soviel wie in der Realität.

Erfreulicherweise kommt die Energieberaterin dann aber zu einem ähnlichen Theorie-Ergebnis beim Einsparwert an Energie wie der Praktiker. Die Energieberaterin meint, 26% an Energie bei einer Dämmung aller Wände einsparen zu können, der Praktiker kennt die Zahl 25%. Diese erfreulich Übereinstimmung wird dann aber im Gutachten der Energieberaterin von 4 auf 2 Seiten übertragen, so dass sie bei einer nur 2-seitigen Dämmung von „ihrem Dank DIN“ errechneten Verbrauch von 316.000 kWh/a 84.000 kWh/a einzusparen glaubt, während der Praktiker in diesem Falle vermutlich nur ca. 12,5% anzusetzen wagt.

Damit trotz bereits 2-facher Verdoppelung ein gutes Amortisationsverhältnis bei dem Gutachten herauskommt und sich die Maßnahme für jedermann erkennbar lohnt, wird dann noch statt des tatsächlichen Energiepreises für Gas im Jahre 2010 in dieser Region von 0,0548 € je kWh der fiktive Preis von 0,1046 € für die DIN-Berechnung eingesetzt. So wird es noch besser.

Und siehe da, so kann das Wunder vollbracht werden:
Die Einsparung an Energie beträgt sauber berechnet 8.790,- € im Jahr.
Danke DIN V 18599!
Danke Energieberaterin!
Die Kläger haben jedoch erkannt, dass für die ganze Wohnanlage im Jahr nur 8.328,77 € für die Energie ausgegeben wurde (also sogar incl. Wasser). Wie kann man dann 8.790,- € davon einsparen? Sie kommen nur auf schnöde 917 € über den „Daumen“ gerechnet.
Statische Amortisation demnach ca. 100 Jahre!
Und wer könnten nun die interessierten Kreise sein?
Verwalter, Energieberater, Dämmstoffhersteller, Handwerker, Banken, unsere Regierung ?
Antworten an: hausgeld-vergleich@t-online.de
Hausgeld-Vergleich e.V., Gehrestalstraße 8, 91224 Pommelsbrunn
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